Bild: Stadtwappen Heimbach

Masterplan
Stadtkern
Heimbach

Bürgerversammlung

1. Bürgerversammlung

am 06. Oktober 2009 im Sitzungssaal des Rathauses 19 – 22 Uhr

P r o t o k o l l

1. Eröffnung durch den Bürgermeister

Bürgermeister Bert Züll eröffnet die Bürgerversammlung und begrüßt die 85 erschienenen Bürgerinnen und Bürger. Er erläutert die Oberziele des Masterplans für den Stadtkern Heimbach und stellt die Vertreter der Planungsgemeinschaft, Dipl.-Ing. Astrid Urgatz und Dipl.-Ing. Giorgio Bavaj, vor.

2. Erläuterungen der bisherigen Planungsschritte

2a. Ziel und Zweck des Masterplans

Dipl.-Ing. Giorgio Bavaj erläutert anhand von PowerPoint-Folien Ziel und Zweck der Planung sowie die geplante Vorgehensweise:

  • Anlass der Arbeit ist das Projekt „Neue Kunst in alten Mauern“
  • Durch die Internationale Kunstakademie Heimbach auf der Burg Hengebach erhofft man sich neue Impulse für den Stadtkern

Gleich welche Bezeichnung man wählt, Masterplan, Städtebaulicher Rahmenplan, Stadtkernsanierung:

  • Dieser Plan unterscheidet sich von den üblichen städtebaulichen Planungen, bei denen als Ergebnis ein städtebaulicher Entwurf steht.
  • Die Arbeit ist eher als Planungsprozess zu verstehen: „Der Weg ist das Ziel“. Wichtig ist dabei herauszuarbeiten, welche Maßnahmen zur Revitalisierung des Stadtkerns beitragen können - und das möglichst konkret.
  • Die angestrebten Maßnahmen werden nur zu einem Teil von der Öffentlichen Hand getragen werden. Zum Gelingen des Projektes ist viel Engagement seitens der Bürgerinnen und Bürger erforderlich.
  • Deshalb sind nicht nur die Kontakte zu Politik, Verwaltung und Akademie wichtig sondern auch das Gespräch mit den örtlichen Vereinen, mit den Bürgerinnen und Bürger. Jeder ist aufgefordert, Ideen einzubringen und mitzumachen.
  • Basis der Planungen ist immer auch die historische Entwicklung der Stadt. Sie soll in neuen Projekten ablesbar sein, sich wie ein roter Faden durch innovative Projekte ziehen. Der erste Planungsschritt ist die Bestandsaufnahme.

Ausgangspunkt der Bestandsaufnahme sind auch die schon vorhandenen Planungen:

a) Die ersten Konzepte zur Stadterneuerung Ende der 70er Jahre (Dipl.-Ing. Bavaj).

b) Der Rahmenplan von Dipl.-Ing. Heinz Zanger aus dem Jahr 1989. Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurden bereits realisiert, z. B.

  • Kunst im Straßenraum
  • Wegeverbindung Alte Mühle – Eichelberg
  • Rur-Wanderweg
  • Bergstr./Obere Bergstr.: Begrünungen und Pflasterarbeiten

c) Die Themenplanung „Wasserstadt Heimbach“ von Herrn Theo Kleinschmidt aus dem Jahre 2004. Realisiert sind bislang Brunnen in der Hengebachstraße und eine Wasserrinne entlang der Straße zum Wasserinfozentrum.

Planungsergebnisse können heute nicht vorgestellt werden. Wie bei jeder Planung beginnt die Arbeit mit einer Bestandsanalyse.

2b. Bestandsanalyse

Dipl.-Ing. Astrid Urgatz erläutert anhand von PowerPoint-Folien die ersten Ergebnisse der Bestandsanalyse:

a) Leerstände

Folie: Bestandsanalyse Leerstände

Im Wohngebiet Eichelberg mit 75 Häusern werden derzeit 9 Leerstände gezählt. Dies entspricht einer Quote von 12 %. Hinzu kommen 16 potenzielle Leerstände für die kommenden 10 – 15 Jahre in Gebäuden mit betagten Bewohnern. In der Summe droht dem Wohngebiet ein Leerstand von bis zu 33 %. Davon sind auch potenziell 3 Pensionen betroffen.

Die Gebäude und Grundstücke stammen vorwiegend aus den 1960er bis 1970er Jahren und sind zum großen Teil in einem augenscheinlich gepflegten Zustand. Aus wärmetechnischer Sicht ist vermutlich nur ein sehr geringer Teil auf dem neusten Stand.

In der Altstadt mit 206 Häusern werden derzeit 34 Leerstände gezählt. Dies entspricht einer Quote von 17 %. Darin enthalten sind auch 7 ehemalige Hotels und 1 ehemalige Pension. Hinzu kommen 33 potenzielle Leerstände für die kommenden 10 – 15 Jahre in Gebäuden mit betagten Bewohnern. In der Summe droht auch der Altstadt ein Leerstand von bis zu 33 %.

In der Altstadt sind primär historische Gebäude vom Leerstand betroffen. Entsprechend ist ihr Zustand, wenn sie schon lange leer stehen oftmals nicht sehr gut und man muss mit größeren Investitionen bei der Sanierung rechnen. Aber auch Gebäude aus den 1970er oder 1980er Jahren, insbesondere Hotels, finden sich unter den Leerständen. Die Konzentration von Leerständen im Bereich Am Giebel / Mariawalder Straße ist besonders auffällig. Hier stehen 9 von 13 Gebäuden leer.

Ungenutzte Gebäude, insbesondere, wenn diese an markanten Stellen stehen (z.B. am Ortseingang in Richtung Mariawald oder im Zentrum der Altstadt) oder gehäuft vorkommen, bleiben nicht ohne negative Folgen für das Ortsbild. Auch wenn man in verschiedenen Fällen versucht, „das Gesicht zu wahren“, so kann der Eindruck eines verlassenen Gebäudes letztlich nicht kaschiert werden. Gravierend ist auch dass Leerstand die Vernachlässigung der Gebäudegestalt bis hin zum Verfall zur Folge hat.

b) Wohnbevölkerung

Die Stadt Heimbach zählt am 30.06.2008 4.510 Einwohner. Davon leben im Stadtkern derzeit 538 Einwohner (12 %) in ca. 280 Gebäuden.

Der Vergleich der Altersstruktur im Stadtkern mit der Struktur in NRW zeigt sehr deutlich das Problem der Überalterung im Stadtkern auf:

  • Der Anteil der bis 20-Jährigen ist im Vergleich zum Landesdurchschnitt sehr niedrig (ca. 61% weniger)
  • Der Anteil der über 60-Jährigen liegt ca. 153 % höher als der Landesdurchschnitt.

c) Barrierefreiheit

Im Kreis Düren leben 24.879 schwerbehinderte Menschen. Das entspricht einem Anteil von 9,2 %. Doch Barrieren zu vermeiden hilft nicht nur Schwerbehinderten, sondern allen Menschen. Familien mit Kleinkindern, Senioren, Menschen, die Waren transportieren müssen usw. Bedenkt man, wie viele Senioren-Touristen nach Heimbach kommen, so wird es klar, dass der Aspekt der Barrierefreiheit nicht nur für die Wohnbevölkerung relevant ist.

Einige Beispiele:

Zu enge Gehwege mit zu starker Querneigung, Problem für Menschen mit motorischen Einschränkungen.

Fehlende Kontraste, Problem für Menschen mit Sehbehinderungen. Die Simulation zeigt auf, dass z. B. bei grauem Star die Treppenstufen nicht gut erkannt werden.

Fehlende Geländer an steilen Wegabschnitten oder Treppen.

d) Pilger

50 – 60.000 Pilger kommen jährlich zum Heimbacher Gnadenbild. Schwerpunkt der Pilgerzeit, die mit dem Heimbacher Schmerzensfreitag

Die Jahreskollekte der Kirche liegt bei ca. 8 – 10.000 €. Dies entspricht einem Beitrag von unter 20 Cent je Pilger.

Heute übernachten nur noch wenige Pilger in Heimbach, die meisten, auch die Fußpilger gehen oder fahren noch am gleichen Tag wieder nach Hause. Der weitaus größte Teil der Pilger kommt aus einem Umkreis von bis zu 50 km. Die Rurtalbahn und Reisebusse ermöglichen eine gute Mobilität. In früherer Zeit beherbergte nahezu jedes Haus Pilger. Teilweise räumten die Familien ihre Schlafzimmer, um den müden Menschen einen Ruheplatz zu geben und schliefen selber auf dem Dachboden. Solches ist heute nicht mehr möglich: Die Ansprüche auf beiden Seiten sind gestiegen und auch die Kirchenmitglieder werden weniger.

e) Internationale Kunstakademie Heimbach

Die mittelalterliche Burg, deren Anfänge bis in das 11. Jahrhundert zurückreichen, ist Heimbachs Wahrzeichen und dominiert das Stadtbild. Nachdem die Burg einige Jahre lang ohne Nutzung war, erhält sie nach umfangreichen Umbau- und Restaurierungsarbeiten mit der Akademie neuen Nutzungen. Es entstehen Ateliers für den Akademiebetrieb sowie auch Gastronomie und Wohnungen. Vom derzeit ebenfalls leerstehenden ehemaligen Hotel Burghof aus wird Burg Hengebach in Zukunft über vier Aufzüge stufenweise barrierefrei erschlossen. Von der Gesamtfläche der Burg von rund 2150 m² entfallen rund 1300 m² auf den Akademiebetrieb.

Die Kunstakademie Heimbach ist eine Bildungs- und Ausbildungsstätte für das künstlerische Schaffen in den verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst. Sie setzt es sich zum Ziel, die Kreativität von Menschen aller Generationen, Nationalitäten und Berufe zu wecken und zu fördern. Die Angebote der Kunstakademie in den verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst (in 7 Gattungen) sind altersgerecht und den Fähigkeiten entsprechend gegliedert. Der Besuch von Kursen, Workshops, Seminaren und mehrwöchigen Akademien steht allen Menschen offen.

 

Prof. Dr. Frank Günter Zehnder erläutert das Profil und die Zielsetzungen der Internationalen Kunstakademie Heimbach sowie die zu erwartenden Impulse für Kunst, Bildung, Wirtschaft und Tourismus in der Region. Die Adressaten sind:

Alle, die Interesse an Kunst und eigenem schöpferischen Tun haben.
Alle Menschen mit und ohne künstlerische Erfahrung
Erzieherinnen, Pädagogen, Handwerker mit künstlerischen Anforderungen, therapeutische Berufe, Schulklassen, Familien etc.
Angehende Architektur- und Kunststudierende
Manager, Politiker, Leitungskräfte, Verwaltungsmitarbeiter, Fachleute für Marketing, Entwicklung und Planung etc.
Menschen mit Benachteiligung, Auszubildende, Schüler, Jugendgruppen, Partei-Nachwuchs, Kunst.

„Neue Kunst in alten Mauern“

Die Burg Hengebach in Heimbach
wird ein Nukleus für die Vernetzung bestehender Einrichtungen der Region
liegt im Zentrum der aktiven Kunst- und Kulturregion Europas
holt die Kunstszene in den ländlichen Raum
auch im Außenbereich werden Kunstprozesse stattfinden

Restaurant, Mensa, Kunstbibliothek, Musikzimmer sind Orte der Begegnung und Entspannung. Die gesamte Anlage ist barrierefrei
Der „Burghof“ - am Fuße der Burg - mit weiteren Atelierräumen und Verwaltung ist das „Portal“ für Interessenten und Öffentlichkeit

Effekte Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Zusammenspiel Natur-Kunst-Kultur-Tourismus-Stadtentwicklung

Viele Möglichkeiten einer Verbindung von Kunstpraxis z. B. mit Wandern und Sport, mit Geschichte und Spiritualität, mit Volkskunde und Hochkunst, mit Architektur und Landschaft, mit Natur und Technik (Stichworte: Nationalpark, Kermeter, Vogelsang, Heimbach, Talsperren, Hohes Venn, Mariawald, Festival „Spannungen“, Leopold-Hoesch-Museum etc.)

Komplementäreffekte: Kunstläden, Galerien, Künstler-Bedarf, Foto-Laden
Skulpturen im öffentlichen Raum
„Kultur“ – Wegweiser, Stadt-Journal, eigener Flyer zu Kunstorten in Heimbach
Kooperation mit Gastgebern und Gastronomen
Kleinkunst, Attraktivität für Künstler und Kunstpublikum

f) Tourismus und Wirtschaft

Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Wohin die Reise geht ist derzeit in Heimbach noch etwas verwirrend. Der Rureifel–Tourismus e. V. bietet eine gute Basis für die Organisation der Mitglieder. Alle Möglichkeiten der Vernetzung, Beratung und der Qualitätssicherung werden noch nicht ausgeschöpft.

Es fehlt ein weitübergreifendes örtliches Tourismusmanagement, das alle Belange bündelt, koordiniert und konkrete Impulse für die Entwicklung des Stadtkerns entwickelt.

Heimbach hat Highlights, z.B.:

Kleine Geschäfte im historischen Ambiente
Die Pfarrkirche St. Clemens und die Salvatorkirche mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes in einem kostbaren Antwerpener Schnitzaltar zu dem seit über 500 Jahren Menschen pilgern.

Gastronomie, Beherbergung

Heimbach bietet zur Zeit Touristen und Bewohnern 6 Restaurants, 2 Schnellrestaurants und 4 Cafés an.

Für Außengastronomie sind die baulichen Bedingungen in den engen Straßenzügen nicht besonders günstig: Es gibt zu wenig Platz und die Gäste sitzen meist zu nah am Verkehr. Hinzu kommen Gestaltungsmängel bzgl. der Möblierung. Weiße Kunststoff-Stühle stehen in einem Kontrast zur historischen, teilweise denkmalgeschützten Bebauung und verbreiten den Charme vom 1-Euro-Laden. Es gibt einige gute Möglichkeiten für ruhige Außenbewirtung an den Einmündungen von Gassen z. B. an der Alten Mühle, Teichstraße oder im Bereich Am Giebel. Letzterer wird leider nicht genutzt. Auch dem Anspruch barrierefreier und familienfreundlicher Gaststätten wird Heimbach nicht ausreichend gerecht.

Im Stadtkern von Heimbach werden derzeit etwa 230 Gästebetten angeboten. Dies entspricht ca. 50 % aller Betten im Stadtgebiet.
Der hohe Anteil an älteren Menschen in Heimbach, spiegelt sich auch in der Altersstruktur der Gastgeber wieder.

Touristische Infrastruktur

Drei Einrichtungen der touristischen Infrastruktur bei denen Barrierefreiheit beachtet wurde:

Nationalpark-Tor

Der Info-Punkt Heimbach der Rureifel-Tourismus-Zentrale befindet sich im Nationalpark-Tor, das im umgebauten ehemaligen Bahnhof Heimbach integriert ist. Dort erhält man Informationsmaterial rund um den Nationalpark und man kann Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft oder Mobilitätsmöglichkeiten erhalten.

Wasser Info Zentrum Eifel

das Wasser Info Zentrum ist ein großer Baustein unter dem Motto „Wasserstadt Heimbach“.

Haus des Gastes / Stadtbücherei

g) Grünanlagen

Heimbach ist seit 1974 staatlich anerkannter Luftkurort. In diesem Sinne fällt den Grünanlagen eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur kurenden Gästen auch den Bewohnern der Stadt bieten diese Frischluftoasen im engen Rurtal eine besondere Lebensqualität.

So zeigt der Kurpark beiderseits der Rur ein sehr unterschiedliches Gesicht, welches einem steten Wandel unterzogen ist. Nördlich der Rur, zum Stadtkern hin am Fuße der Burg gelegen, erstreckt sich ein gepflegter Park, der kulturellen Aspekten gerecht wird. Westlich der Rur zum Haus des Gastes hin, ist der Kurpark als Landschaftspark angelegt.

h) Städtebaulicher Aspekt Verkehr

Durch Heimbach führen die Landesstraße L 218 von Schmidt über Hasenfeld nach Vlatten und die L 249 von Düren über Kreuzau und Nideggen zur B 265 nach Gemünd. Die Hengebachstraße ist somit von beiden klassifizierten Straßen belegt. Ca. 3.000 Kraftfahrzeuge pro Tag fahren durch die Hengebachstraße.

Die effektiven Zahlen und ein LKW-Anteil von ca. 2 % sind eher mäßig bis gering. Doch genau dies zeigt deutlich, dass das Verkehrsproblem in Heimbach nicht die Fahrzeuganzahl ist. Das Problem ist das Empfinden des Verkehrs als Belastung. Dieses entsteht durch das Zusammenspiel von Straßenraumenge, Fahrzeuggeschwindigkeit und –größe sowie die Schallausbreitung. Die Probleme sind bekannt und wahrscheinlich z.T. auch nicht lösbar:

Nutzerkonflikte: Radfahrer, Fußgänger und motorisierter Verkehr

Beeinträchtigung der Aufenthaltsqualität.

Ruhender Verkehr

In Heimbach stehen insgesamt 632 öffentliche Parkplätze für Pkws zur Verfügung. Davon sind 18 Parkplätze für Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis. Für Reisebusse sind ca. 10 Stellplätze am Großparkplatz An der Laag ausgewiesen.

Während am Ortseingang im Westen der größte Anteil der Parkplätze sind, fehlen östlich der Mariawalder Straße Parkplatzangebote.

ÖPNV

Die Rurtalbahn RB 21 von Düren nach Heimbach ist die wichtigste Verbindung des ÖPNV zur Kreisstadt und die Anbindung an den überregionalen Fernverkehr.

Der Bürgerbus, der von einem gemeinnützigen Verein 1986 ins Leben gerufen wurde verkehrt ausgehend vom Bahnhof im ganzen Stadtgebiet. 50 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer befördern pro Jahr ca. 10.000 Fahrgäste.

Die Wasserlinie 231 rve verbindet Heimbach mit Vlatten.

Der Fahrradbus von Aachen gehört zum touristischen Saisonangebot des AVV.

Auch „Mäxchen“ befördert Ausflugsgäste am Wochenende (Mai bis Oktober) zwischen Heimbach Bahnhof und dem Wildpark in Schmidt, über Schwammenauel und Kloster Mariawald.

Die Rursee-Bahn dient weniger den Bewohnern, als dass sie eine Touristenattraktion ist, die auch weniger fitten Menschen die Natur erleben lässt. Im Bereich der Bushaltestelle an der Rurpromenade ist für den Aus- und Einstieg praktisch kaum Fläche vorhanden.

i) Städtebaulicher Aspekt Stadtbild

Folie: Bestandsanalyse Stadtbild

Die gezeigte Karte zeigt mit ihren Ampelfarben, wie gut sich eine Fassade darstellt, bzw. in ihr Umfeld einfügt. Der rote Anteil, d. h. die Gebäude mit erheblichen gestalterischen oder bautechnischen Fassadenmängeln, ist recht gering. Besonderes Augenmerk sollte man daher auf die gelb markierten Gebäude werfen, die z. T. mit geringem Aufwand eine deutliche Aufwertung erhalten könnten.

Das Ortsbild ist das Kapital für den Stadtkern. Im Stadtkern gibt es Qualitäten aber auch gestalterische Brüche. Wichtig sind:

Fachgerechte Materialwahl
Angepasste Werbung
Abgestimmte Farbgebung
Harmonisches Beieinander von Alt und Neu.

2c. Wie geht es weiter?

Wie bereits zu Anfang erwähnt, weist Dipl.-Ing. Giorgio Bavaj auf den hohen Stellenwert einer intensiven Bürgerpartizipation hin und auf die Bedeutung für das Gelingen des Projektes Stadtkernsanierung. Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wird auf verschiedenen Ebenen angestrebt durch:

- Bürgerversammlungen,
- Bürgerrunden (z.B. zu speziellen Themenkomplexe),
- Zukunftswerkstatt,
- Internetpräsenz und Pressearbeit.

Außerdem sind Gespräche vorgesehen mit:

- Institutionen, Kirche,
- Fremdenverkehrsverein,
- Kunstakademie u.a.

Heute stellt diese Bürgerbeteiligung einen ersten Einstieg dar. Als nächster Schritt findet eine

Zukunftswerkstatt am 14. November statt in der Zeit von 10 bis 16:30 Uhr in Räumen der Kunstakademie statt.

Was ist eine Zukunftswerkstatt?

Die Zukunftswerkstatt ist eine besondere Form des "Workshops", bei der mit Hilfe der Phantasie, frei von den Zwängen des Alltags, Lösungen entwickelt werden, die zu zukunftsfähigen Konzepten führen. Die Zukunftswerkstatt hat drei Phasen:

  • Am Anfang wird die aktuelle Situation kritisch durchleuchtet (Kritikphase)
  • Dann werden kreative Ideen zu "Wunschplanungen" gesammelt (Fantasiephase)
  • Schließlich werden die Ideen auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin überprüft, und es werden praxisorientierte Lösungsansätze entwickelt (Realisierungsphase).
  • Wer kann an einer Zukunftswerkstatt mitmachen?
  • Jeder kann mitmachen, jeder ist ein „Experte vor Ort“
  • Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich
  • Besondere Fähigkeiten braucht man hier ebenfalls nicht.

Interessierte können sich bis zum 30. Oktober anmelden:

- E-Mail: bavaj.urgatz@planungsbuero-urgatz.de
- telefonische Anmeldung unter 0241 – 401 34 34

Bitte Name, Vorname, Alter, Adresse (E-Mail), Telefon angeben!

Der Planungsprozess wird auch auf der Homepage der Stadt Heimbach (www.heimbach-eifel.de) dargestellt. In der rechten Spalte der Startseite kann man über „Masterplan Stadtkern Heimbach“ mit dem Logofoto auf die Unterseiten gelangen.

3. Diskussion und Anregungen

Nach den Erläuterungen schließt sich eine sehr engagierte Diskussion mit vielen kompetenten Beiträgen und Fragen an. Diese werden zu Themenkreisen zusammengefasst und stehen deshalb nicht immer in der tatsächlichen Reihenfolge der Wortmeldungen.

Themenkreis Pilger

Pilgerfahrten haben zurzeit keine Übernachtungen zur Folge. Bei eintägigen Fahrten reisen die Pilger abends ab. Auch bei mehrtägigen Fahrten reisen die meisten abends ab und kommen morgens wieder.

Potenzial für eine Pilgerklause bzw. ein Pilgerkaffee ist durchaus da, darf aber nicht zu teuer sein.
Nacht- und Abendmessen könnten verstärkt angeboten werden.

Das kulturelle Angebot mit Bezug zu Pilgern sollte aktiviert werden, auch das Erleben der Landschaft
(z.B. durch Wandern o.ä.) sollte stärker in das Pilgerprogramm integriert werden.

Themenkreis Realisierung

Soll alles auf freiwilliger Basis erreicht werden? Antwort: Die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger trägt zum Gelingen des Projektes Stadtsanierung bei. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch verfrüht, Realisierungsinstrumente wie z.B. Gestaltungssatzungen u.a. festzulegen. Wesentlich ist es, zunächst einen Konsens über die Möglichkeiten von Problemlösungen zu finden.

Was die Realisierung anbetrifft, so wird es Maßnahmen geben, die privat realisiert werden können, andere Maßnahmen - Maßnahmen im öffentlichen Raum und auch private Maßnahmen - werden finanzielle Hilfen erfordern. Bürgermeister Züll weist in diesem Zusammenhang auf das vom Bund aufgelegte Investitionsprogramm und auf den Fördertopf der Städtebauförderung hin, aus dem öffentliche Maßnahmen gefördert werden können, zunächst müssen aber Konzepte erarbeitet werden. Die Stadt Monschau z.B. hat ein Programm zur Stadtsanierung mit einem Volumen von 15 Mio. Euro. beantragt.

Themenkreis Identität

Der Masterplan stellt eine historische Chance dar, es sollten alle besonderen Identitätsmerkmale herausgearbeitet werden: z.B. Pilger, Kunst, Wasser u.a.

Der Name Heimbach ist langweilig, man sollte über einen wirksameren Namen nachdenken, z.B. „Wasserstadt“.

Themenkreis Verkehr

Die Probleme aufgrund der engen Bürgersteige werden bestätigt.

Es sollte mehr Platz für Fußgänger geschaffen werden, so könnten die Parkbuchten entlang der Hengebachstraße zugunsten einer Gehwegverbreiterung entfallen. Die Parkbuchten lösen ohnehin die Parkplatzprobleme nicht. Außerdem gibt es Parkraum in zumutbarer Nähe.

Die Heimbacher nehmen zum Teil die Parkbuchten nicht wahr und bleiben auf der Straße stehen.

Das Kurzzeitparken - zurzeit 1 Stunde - sollte auf 15 Minuten reduziert werden

Ein Parkplatz am östlichen Stadtkernrand würde eine Entlastung bringen.

Wenn das Gebäude „Talsperre“ abgerissen würde, dann würde man Luft z.B. für einen Kreisverkehr bekommen. Antwort: Der Abriss von Gebäuden an markanten Stellen reißt meistens städtebauliche Wunden auf, die nicht mehr geheilt werden können. Dies zeigt sich deutlich an dem Parkplatz gegenüber der Einmündung der Mariawalder Straße.

Wird die alte „Tunnellösung“ noch weiter verfolgt? Antwort von Herrn Cremer: Es handelt sich um eine Idee aus den 30er Jahren. Sie ist nicht realisierbar.

Stimmen die genannten Zahlen zur Verkehrsbelastung? Antwort: Die Zahlen stimmen, die Erhebungen finden meistens in Wochenmitte statt.

Themenkreis Gastronomie / Beherbergung

Mindestens 6 Hotels stehen leer, sehr schlimm wird die Situation empfunden bei der „Talsperre“, dem „Kölner Hof“ und dem „Stadthotel“ (ehemaliges Pfarrhaus).
Ein Problem ist, wenn die Eigentümer nicht mitmachen wollen.
Bei hohen Mieten kann Gastronomie nicht funktionieren, insbesondere, wenn die Miete auch im Winter in gleicher Höhe gezahlt werden muss.
In Heimbach kann es passieren, dass man für eine Nacht kein Zimmer bekommt, obwohl Hotels oder Pensionen nicht ausgelastet sind.
Früher stand am Rathaus am Seerandweg eine Tafel für die Übernachtungen, daran konnten sich Zimmersuchende orientieren, auch nach 17.00 Uhr.
Die Zimmervermittlung am „Eifeltor“ funktioniert bestens, man sollte nicht zum alten System zurückkehren. Allerdings bleibt das Problem der Zimmersuche nach Geschäftsschluss.
Man sollte die Radfahrer stärker einbeziehen, ein Radfahrerhotel fehlt!
Ein Tanzlokal fehlt!

Themenkreis Beschäftigung

Es müssen auch Einkommensquellen für den Winter gefunden werden.
Tourismus als einzige Erwerbsquelle reicht nicht aus, es muss nach weiteren Möglichkeiten gesucht werden.

Bürgermeister Bert Züll und die Planer danken für die rege Teilnahme, auf den nächsten Schritt, die Zukunftswerkstatt am 14.11.09, wird nochmals hingewiesen. Bürgermeister Bert Züll schließt die Veranstaltung.

 

Aachen, 10.10.2009

Giorgio Bavaj

Planungsgemeinschaft Bavaj / Urgatz, Aachen